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Bericht der Vorsitzenden 23.09.2026

Im letzten Jahr hatten wir 5 Vorstandssitzungen zusammen mit dem AK Ehrenamtliche. Die Zusammenlegung hat sich sehr bewährt, da die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen bei den abendlichen Sitzungen sehr beschränkt ist. Wir hatten eine außerordentliche Sitzung mit dem BM und Vertretern des Landkreises sowie dem Leiter der Einrichtung anlässlich der bevorstehenden Schließung der Gemeinschaftsunterkunft am Klingenteich.

Die Schließung der Einrichtung zum 31.07.2025 war ein sehr großer Einschnitt für uns Ehrenamtliche und insbesondere für die in der GU wohnenden Menschen. Alle Überlegungen und Aktivitäten die GU umzuwidmen, schlugen fehl. Im Wesentlichen fehlte es an den finanziellen Mitteln / entsprechenden Investoren. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden in unterschiedliche Unterkünfte verteilt. Die ukrainischen Menschen konnten in einem ehemaligen Hotel in Griesheim kleine Apartments beziehen, größere Familien erhielten in Ober-Ramstadt einfache kleine Wohnungen. Alleinstehende Menschen kamen u.a. nach Groß-Zimmern.

Doch die Gemeinde Mühltal und auch die Kirchengemeinden unterstützten uns nach der Suche neuer Räumlichkeiten für unser Begegnungscafé. Wir entschieden uns für das Foyer im Bürgerhaus Traisa. Für die Fahrradwerkstatt konnten wir noch einen Nebenraum anmieten, sodass die Werkstatt Im Trautheim 21 ideal versorgt werden konnte. Leider ist es für die Geflüchteten nun umständlicher dorthin zu kommen, insbesondere, wenn es um Reparaturen geht. Die individuellen Sprechstunden finden an zwei Nachmittagen Im Elfengrund 1 statt.

Das Magazin und auch die Lebensmittelverteilung konnten ihre Örtlichkeiten beibehalten. Leider ist es so, dass Eva und Thomas Hahn – die Unermüdlichen, im nächsten Jahr für ein Jahr nach Kambodscha gehen. Vielleicht finden sich für das Magazin Menschen, die mit viel Elan und Schwung Gebrauchtes an- und weitergeben. Eine Vergabe von Lebensmittel über Foodsharing kann evtl. organisiert werden.

Was fand im letzten Jahr an Aktivitäten statt: Am 10.02.2025 fand am Fliedner Platz eine Demo unter dem Motto für Demokratie und gegen Rassismus statt. Wie jedes Jahr beteiligte sich das Netzwerk an dem Konfitag, der das erste Mal in der Georg Christoph Lichtenberg Gesamtschule in Ober-Ramstadt stattfand. Das Sommerfest fand das letzte Mal in den großzügigen Anlagen der GU statt, deshalb engagierten wir das Spielmobil mit vielen attraktiven Angeboten für die Kinder. Allessandro Ercolani, Mitarbeiter bei der ESA, zeigte den sehr interessierten Kindern mit einfachen Mitteln wie und warum eine Rakete fliegen kann. Im August konnten wir, Dank dem Schwimmbadclub, Kindern wieder einen Schwimmkurs anbieten.

Das Treffen mit den Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, findet nach wie vor einmal monatlich in den Räumlichkeiten der ev. Kirche in Traisa statt. Die meisten nutzen das Angebot um sich auszutauschen und sich in ihrer Heimatsprache zu unterhalten.

In Nieder-Beerbach sind zwei kleine Gemeinschaftsunterkünfte, die mit insgesamt 15-18 Menschen belegt ist. Die Bewohner kommen mit den ÖPNV gut klar, insbesondere fahren Busse auch nach Nieder-Ramstadt und zum Bahnhof. Schulbesuche zum Schuldorf Bergstraße und zu Integrationskursen nach Darmstadt sind kein Problem.

Schwierig ist nach wie vor die Suche nach Wohnraum unabhängig von der Größe und der Anzahl der Menschen, die dort einziehen möchten. Deshalb meine Bitte, falls ihr Wohnraum vermietet, Nachbarn und Freunde Wohnungen zur Verfügung stellen, denkt an uns und meldet euch.

Vielen Dank

35 Jahre Koordinationskreis Asyl Darmstadt und Region – 10 Jahre Mahnwachen

Angefangen hat alles, soweit ich mich erinnern kann, Anfang der Neunzigerjahre angesichts der Grundgesetzänderung Art. 16a: Politisch Verfolgte, genießen Asylrecht. Es entstand das Interesse an einer gemeinsamen Stimme in der Öffentlichkeit. Wir erinnern uns: der eiserne Vorhang war gefallen, und damals kamen schon einmal in größerer Zahl Flüchtlinge aus Osteuropa, beziehungsweise aus Asien über Osteuropa nach Deutschland. Lokale Flüchtlingsunterkünfte wurden aufgebaut, wobei oft nicht klar war wie die Menschen, die dort nun leben sollten, begleitet werden. Spontan bildeten sich in mehreren Gemeinden Arbeitsgruppen, die sich dieser neu zugezogenen Menschen annahmen.

In diesen Gruppen entstand bald ein Interesse an Austausch untereinander, an gemeinsamen Aktivitäten zum Thema Flucht und Asyl, an Veranstaltungen und Informationen für die Gesellschaft. So entwickelte sich eine informelle Gruppe, die sich mit dem Thema in unserer Region gesellschaftspolitisch befasste.

In der Katholische Hochschulgemeinde Darmstadt (KHG) entstand ein Arbeitskreis, der in der Flüchtlingsunterkunft am Kavalleriesand, einer Außenstelle der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen, tätig wurde. Der Arbeitskreis bot in der Unterkunft eine Teestube an und kümmerte sich um die Menschen, die den Weg dorthin fanden. Der Arbeitskreis bestand aus engagierten Studentinnen und Studenten, die im Rahmen der KHG wöchentlich eine Teestube in dieser Zweigstelle betrieben. Die sich entwickelnde regionale Gruppe traf sich in der KHG. Ein frühes gemeinsames Engagement war der Widerspruch zur geplanten Änderung des GG-Artikels 16a, die die Zahlen der Anerkennung von Asylberechtigten deutlich erschweren sollte. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Eike Ebert war damals unser Gesprächsgegenüber, den wir mit vereinten Kräften zu überzeugen versuchten, nicht für die Änderung des Grundgesetzartikels zu stimmen. Es kam anders.

Mit der Einrichtung eines Sprachkurses für Menschen im Asylverfahren machte der Arbeitskreis ein eigenes regionales Angebot, unabhängig von den lokalen Helferkreisen. Für die Zielgruppe „Menschen im Asylverfahren“ gab es in diesen Anfangszeiten keinerlei Angebote, so auch keine Sprachkurse. Deshalb richteten wir einen solchen Sprachkurs ein und es kamen Interessierte aus Stadt und Landkreis bis hinaus nach Eppertshausen. Für Fortgeschrittene boten wir einen Konversations-Treff an. Unter dem Motto es kann über alles gesprochen werden, es muss nur auf Deutsch sein. Da musste ich mich zum Beispiel mal schlau machen, in der Faschingszeit ging es z.B. um die Tradition des Elferrates, wozu sich der Moderator erst mal selbst kundig machen musste. Wichtiges Kulturgut in Deutschland.

Die Nuller-Jahre waren dann geprägt von einem Rückgang der Flüchtlingszahlen und ebenso von einem Rückgang im Engagement, lokal als auch bei KOKAS. Wir waren zum Teil nur zu dritt, haben aber die Angebote aufrechterhalten. Möglich war das nur, weil im Arbeitskreis neben Aktiven in lokalen Arbeitskreisen auch Hauptamtliche der Wohlfahrtsverbände vertreten waren.

In den Zehnerjahren ging es dann wieder aufwärts, wenn ich so sagen darf. Wir richteten allmählich unsere Netzseite ein und waren somit auch auffindbar im Zeitalter des Internets. 2015 war dann auch für uns High Noon. In kürzester Zeit waren wir behilflich, lokale Arbeitskreise zu gründen, beziehungsweise neu zu beleben, in Messel, Roßdorf, Eberstadt, Pfungstadt und Kranichstein. Schnell wurde uns klar, dass es auch eine Betreuung der Betreuer braucht. So haben wir zum Beispiel mit der TU Darmstadt, der dortigen Abteilung „Deutsch als Zweitsprache“ Bildungsangebote für Begleiterinnen entwickelt, die vor der Herausforderung standen, Alphabetisierungs-Kurse einzurichten. Es war eine hektische Zeit der Aktivitäten, KOKAS hat Vorträge gehalten, Workshops mitgestaltet, zum Beispiel bei einem hessischen Schülerkongress in Griesheim (2016), oder in der Kunsthalle Darmstadt mit dem Titel „Flucht bewegt Kunst“ (2018). In Pfungstadt waren wir beim Hessentag (2023) präsent und so weiter.

Vieles davon konnte nur gelingen durch die Zusammenarbeit mit einem lokalen Arbeitskreis, bzw. durch das Zusammenwirken mehrerer Arbeitskreise. Ein Höhepunkt unserer Arbeit war das Willkommens-Kulturfest in der Heydenmühle in Otzberg/Nieder-Klingen 2018. Rund 400 Menschen hatten sich zu diesem Fest eingefunden. Und natürlich ist das Fest auch nur gelungen, weil sehr viele lokale Arbeitskreise mitmachten.

Der Koordinationskreis Asyl bietet keine eigene Fallberatung an, aber Mitglieder des Arbeitskreises begleiteten Flüchtlinge an ihren Wohnorten. Andere waren und sind als Einzelpersonen bei KOKAS aktiv, ohne lokale Anbindung. Bei vielen Sommerfesten und sonstigen Veranstaltungen war KOKAS mit seinem Angebot „Gesicht zeigen, ich bin gegen Rassismus, weil…“ präsent. Im kommenden Jahr ist ein weiterer runder Jahrestag einer Initiative von KOKAS, gemeinsam mit dem damaligen Interreligiösen Arbeitskreis fällig: Das „Gedenken an die Toten an den europäischen Außengrenzen“. Es findet jeweils am Volkstrauertag im November statt und hat mittlerweile einen eigenen Trägerkreis gefunden. Und 2016, vor zehn Jahren haben wir die Mahnwachen auf dem Luisenplatz begonnen, die bis heute fortgeführt werden, jeweils am dritten Montag im Monat, sozusagen als unsere Montagsdemo. Dazu haben sich immer wenigstens 3 Personen eingefunden. Die Idee war auch, und ist: Verschiedenste gesellschaftliche Gruppen, Organisationen übernehmen immer mal wieder eine Mahnwache. Das hat nur mäßig geklappt.

Und wir sind keine Ausnahme: Es fehlt KOKAS an Aktiven, viele Aktionsformate können nicht weiterverfolgt werden. Mal sehen, wie lange der Atem noch reicht.

Mahnwache Juni 24, Bild Borgetto, Unterstützung durch Ev. Matthäus-Gemeinde Darmstadt

Hilfe für Geflüchtete

Wir können Ihnen eine Reihe von Unterstützungen bei vielen Institutionen anbieten:

  • Vermittlung eines Übersetzers oder einer Übersetzerin
  • Anmeldung in der Gemeinde Mühltal
  • Beantragen einer Aufenthaltsgenehmigung bei der Ausländerbehörde in Dieburg
  • Antrag auf finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt
  • Antrag auf Kostenübernahme für eine Wohnung
  • Ehrenamtlicher Deutschunterricht für Erwachsene
  • Anmeldung zu Integrationskursen
  • Anmeldung von Kindern über 3 Jahre im Kindergarten
  • Anmeldung von Kindern zwischen 6 und 10 Jahren in der Grundschule
  • Anmeldung von Kindern zu weiterführenden Schulen und InteA Kursen über das Schulamt
  • Anträge auf finanzielle Unterstützung von Kindern
    z.B. für die Nachmittagsbetreuung in der Schule, Essen in der Schule, Schulausflüge.

Das Netzwerk Asyl bietet Informationen, wo Geflüchtete kostenlos Obst und Gemüse bekommen können.

Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an info@asyl-muehltal.de
oder Sie rufen an: 06151 9510710

Stand: 13. Juli 2025

Wer traut sich

Seit ein paar Wochen leben auch in Nieder-Beerbach Geflüchtete in einer kleinen Gemeinschaftsunterkunft. Es sind insgesamt drei Familien aus Syrien und der Türkei.

Inzwischen sind die Kinder zur Schule angemeldet. Für die Kinder ist es sehr bedauerlich, dass sie mit dem Erlernen der deutschen Sprache sich noch gedulden müssen, bis die Ferien vorüber sind. Aber auch bei den Eltern wird es noch eine Weile dauern, bis diese einen Integrationskurs besuchen können.

Deshalb suchen wir engagierte Menschen, die bereit sind ein bis zweimal in der Woche mit den Bewohner*innen Deutsch zu lernen. Gerne sind wir mit Unterrichtsmaterial behilflich. Es besteht auch die Möglichkeit bei dem aktuell stattfindenden ehrenamtlichen Deutschkurs in dem ehemaligen Tagungshotel zu hospitieren.

Trauen Sie sich, rufen Sie uns für weitere Informationen an.

06151 9510710