Flüchtlinge

Recht auf Leben – ein Menschenrecht

Stellen Sie sich vor, Sie müssten täglich um Ihr Leben fürchten. Weil Sie Gewalt erleben, verfolgt werden, nicht genug zu essen haben oder Bomben auf Ihre Stadt fallen. Was würden Sie tun?

In anderen Teilen der Welt ist Frieden ein Luxus und keine Normalität. Täglich müssen Menschen um ihr Leben kämpfen und ihr Heimatland verlassen. Einige von ihnen kommen zu uns nach Mühltal.

2013 kamen die ersten Flüchtlinge. Die Anzahl der Asylbewerber in Mühltal beträgt 220 zum Jahresende 2015 – unter anderem unter anderem aus: Syrien, Afghanistan, Pakistan, Eritrea, Somalia, Albanien, Irak und Iran. Die Flüchtlinge wohnen in Nieder-Ramstadt und in Traisa.

Portraits

Hinter jedem Menschen, der geflüchtet ist, steckt eine Geschichte. Wir haben fünf dieser Geschichten aufgeschrieben. Die Namen der Flüchtlinge haben wir zu deren Schutz anonymisiert.

A., 36 Jahre, aus Damaskus/Syrien, verheiratet, Vater von drei Kindern, arbeitete in seinem Heimatland 14 Jahre als Techniker für Klimaanlagen

Nach einer friedlichen Demonstration für Demokratie wurde A. verhaftet und verbrachte Monate im Gefängnis, zum Teil in Einzelhaft. Die Zelle, in der A. eingesperrt wurde, war kleiner als eine Duschkabine. „Der Platz war so eng, dass ich nur stehen konnte. Schlafen musste ich in der Hocke. Sie haben mich mit dem Rücken und den Armen weit nach oben an die Wand gebunden. Ich durfte nur auf Zehenspitzen stehen. Nach Stunden wurden meine Zehen taub und blau, meine Arme schmerzten.“ Innerhalb von acht Wochen Folter verlor A. 35 Kilogramm Gewicht.

R., 39 Jahre, Damaskus/Syrien, hat in ihrem Heimatland als Friseurin und Visagistin für lokale und ausländische Fernsehsendungen gearbeitet.

Die Straßen von Damaskus lagen in Schutt und Asche. Der Bürgerkrieg setzte dem bürgerlichen Leben von R. ein jähes Ende. „Das Gefühl der Ohnmacht und der Angst, was in der nächsten Sekunde passieren mag, hat mich im Bürgerkrieg über acht Monate begleitet. Die Ruhe und der Frieden in Deutschland, die viele Unterstützung der Menschen in Mühltal haben mich wieder Mut fassen lassen.“

M., 48 Jahre, Damaskus/Syrien, verheiratet, Vater von drei Söhnen, hat in seiner Heimat als Rechtsanwalt gearbeitet.

M. hatte als Rechtsanwalt gearbeitet. Nachdem er offen seine Meinung gesagt hatte, wurde er dafür des Öfteren eingesperrt und gefoltert. Nach einer mehr als einjährigen Odyssee quer durch Europa kam M. nach Mühltal. „Hier haben mich viele Menschen unterstützt. Ich fühle mich deshalb sehr wohl hier. Langfristig möchte ich gern wieder als Rechtsanwalt arbeiten. Zurzeit lerne ich intensiv die deutsche Sprache.“

S., 19 Jahre, Ghorband/Afghanistan, spricht sehr gut Deutsch und Englisch.

Von den Taliban verfolgt, floh S. mit seinen Eltern und Geschwistern zunächst in den Iran. Aber auch dort spürten die Taliban die Familie auf und S. kam über die Türkei mit einem Flüchtlingsboot nach Italien. „Mein Bruder und ich mussten meine Familienmitglieder tragen, weil sie nicht schwimmen konnten. Wir verbrachten sechs Tage mit 160 Flüchtlingen unter Deck. Man hat uns jeden Tag versprochen, uns in einem Heim unterzubringen, es gab aber keins.“ S. macht zurzeit seinen Hauptschulabschluss und möchte dann am liebsten eine Ausbildung zum Mechatroniker beginnen.

A., 40 Jahre, Mogadischu/Somalia.

Mit 25 Jahren flüchtete A. vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland, nachdem er der willkürlichen Hinrichtung durch die Al-Shabaab-Miliz entkommen konnte. 13 Jahre lang schlug sich A. in mehreren europäischen Ländern durch, ehe er nach Deutschland kam. A. ist sehr geschickt und möchte gern in einem handwerklichen Beruf arbeiten. „Ich wünsche mir einfach ein ganz normales Leben.“