Aktuelles aus der Gemeinschaftsunterkunft in Mühltal

Corona Pandemie und Gebührenerhöhung

Für uns Ehrenamtliche des Netzwerk Asyl in Mühltal kamen die Einschränkungen bedingt durch die Corona-Pandemie sehr, sehr plötzlich. Zuerst wurde der professionelle Deutschkurs, der über die Volkshochschule im Tagungshotel stattfand, gestoppt und damit auch die damit verbundene Kinderbetreuung. Im nächsten Schritt wurde das jeden Samstag stattfindende Begegnungscafé, die damit verbundenen Gesprächskreise eingestellt und die Fahrradwerkstatt geschlossen. Dann kam der nächste und gravierende Einschnitt – der Landkreis untersagte den Ehrenamtlichen den Zutritt zu den Gemeinschaftsunterkünften in Trautheim sowie in Nieder-Beerbach. Das sind richtige und wichtige Schritte, denn keiner möchte, dass sich jemand infiziert. Wir Ehrenamtliche und auch die Geflüchteten mussten aber erst einmal mit der neuen Situation zurechtkommen, diese annehmen und andere Formen der Kontaktaufnahme verstärken. Das war ein richtiger Lernprozess und ich kann feststellen, dass die Geflüchteten die neue Situation gut meistern. Für viele bedeutet die neue Situation: Deutschkurse findet nicht statt, Ausbildungsmaßnahmen müssen zurückgestellt werden, Kurzarbeit wird eingeführt oder Arbeitsverträge werden, soweit dies rechtlich möglich ist, gekündigt. Die, die eine gute Tagesstrukturierung hatten, sind plötzlich den ganzen Tag in der Unterkunft und sollen nach Möglichkeit Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

So wurde vor Ostern die Idee geboren, dass unsere beiden „Näherinnen“ im Hotel (siehe Bild) ihre Mitbewohner mit Masken versorgen könnten. Beide fanden die Idee ganz toll. Waltraud Wolbold und Marianne Hohlmann stellten schöne Stoffe, Schrägbänder, Gummis und das ganze notwendige Zubehör zusammen und ich konnte das Material über den Betreiber an die beiden Frauen weitergeben. Inzwischen haben alle Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Masken und können den Empfehlungen, diese zu tragen, problemlos nachkommen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für dieses Engagement.

Was den Betreiber und uns beschäftigt sind die erforderlichen Hygienemaßnahmen. Sicherlich ist es ausreichend sich nach Außenkontakten die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Doch bis die Geflüchteten dies in ihren Zimmern erledigen können, wurden Treppengeländer und Türgriffe angefasst. Deshalb wurde bereits im Eingangsbereich eine Händedesinfektion angebracht, was von den Geflüchteten sehr gut angenommen wird.

Was uns, das heißt auch die Arbeitskreise Asyl im Landkreis sehr beschäftigt ist, dass die Gebühr für eine Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft ab 01.03.2020 von € 194 auf € 410 angehoben wurde. Das trifft insbesondere die Geflüchteten, die über ein eigenes Einkommen verfügen und keine Sozialleistungen erhalten. Der Betrag wird pro Person erhoben, d.h. wenn ein Zimmer von zwei Geflüchteten belegt ist, zahlt jeder diese € 410, unabhängig davon ob es sich um ein Kind, einen Schüler oder Erwachsenen handelt. Die Behörden stellen sicher, dass dadurch niemand unter die Armutsgrenze fällt, da ja dann diese Gebühr entsprechend angepasst wird. Aber wer seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet, muss diesen Betrag monatlich zahlen. Nun mögen manche Leser der Meinung sein, die sicherlich auch richtig ist, dass eine eigene kleine Wohnung genauso teuer oder teurer ist, aber dann haben die Menschen einen eigenen Mietvertrag, eine Küche zur alleinigen Nutzung, können Besuch empfangen und sich eine eigene Existenz aufbauen. In der Gemeinschaftsunterkunft besteht kein Recht auf das zugewiesene Zimmer, jederzeit kann ein weiterer Bewohner in das Zimmer eingewiesen werden, die Küche muss mit 10 weiteren Bewohnern geteilt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Geflüchtete in eine andere Unterkunft im Landkreis verlegt wird. Auch wenn das Tagungshotel in Mühltal im Vergleich zu anderen Unterkünften einen guten Standard aufweist, möchte manch einer der Bewohner eine eigene kleine Wohnung. Aber da der Wohnungsmarkt nichts vorhält, müssen die Menschen in den Unterkünften bleiben. Und bei dieser hohen Gebühr besteht auch nur eine geringe Möglichkeit Geld anzusparen, wenn es mal mit der Wohnung klappen sollte. Wer kommt dann für Kaution und den Hausrat auf? Nennt sich diese Maßnahme eine gelungene Integration?

Ruth Breyer

Netzwerk Asyl Mühltal e.V.