Aktuelles aus der Gemeinschaftsunterkunft in Mühltal

Cafe für Geflüchtete, Aktive im Netzwerk und Besucher ist wieder eröffnet!
Auch ukrainische Geflüchtete und Ihre Unterstützer*innen sind herzlich eingeladen.

Hier sind die kommenden Termine:

    • 19. November 2022
    • 03. Dezember 2022
    • 17. Dezember 2022
    • 07. Januar 2023
    • 21. Januar 2023

Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an info@asl-muehltal.de
oder Sie rufen an: 06151 9510710

Landkreis hebt Betretungsverbot der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete auf
(Stand: 25.06.2021)

Im Wortlaut:

„[…] heute treten mit der aktuellen Hessischen Corona Schutzverordnung weitere Lockerungen in Kraft, daher haben wir uns entschieden auch das Betretungsverbot der Gemeinschaftsunterkünfte aufzuheben.

Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln sind einzuhalten, wir empfehlen dringend das Tragen von FFP2-Masken für Besucher.

Außerdem gilt für alle Besucher der Gemeinschaftsunterkünften, beim Besuch muss ein Kontaktformular ausgefüllt werden. Diese sind im Eingangsbereich vorhanden.

Wir sind gerade dabei für die größeren Gemeinschaftsunterkünfte eine Kontaktnachverfolgung mit LUCA APP zu installieren, um hier die Kontaktnachverfolgung zu vereinfachen.“

Neues in und um die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete
(Juni 2021)

Inzwischen tummeln sich wieder einige Kinder in der Gemeinschaftsunterkunft. Die Kontakte, insbesondere für die Kinder, die noch keine Kita besuchen können, sind aktuell eingeschränkt. Deshalb ist die Freude sehr groß über einen ausreichenden Fuhrpark und die Spende von Friedrich Wolbold über ein Kettcar und einen „Porsche für die Kleinen“. Nun kann die warme Jahreszeit beginnen. Außerdem wurde von dem Bauhof der Gemeinde Mühltal dankenswerterweise der Sand in der Sandkiste ausgetauscht.

Auch in Zeiten von Corona benötigen und nutzen die Geflüchteten die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer*innen. Seit zweieinhalb Jahren engagiere ich mich – Beate Wilhelm aus Nieder-Ramstadt – in der Gemeinschaftsunterkunft in Trautheim mit unterschiedlichen Hilfestellungen. Aufgrund der Pandemie dürfen die Ehrenamtlichen derzeit die Gemeinschaftsunterkunft leider nicht besuchen und wir müssen teilweise neue Wege der Kommunikation finden.

Ein Hauptbetätigungsfeld für mich ist die Vermittlung und das Üben der deutschen Sprache in vielen Einzelgesprächen oder kleinen Gruppen für die verschiedenen Sprachniveaus von A1 bis C1. Dies ist eine gute Ergänzung und manchmal auch notwendig zum offiziellen Sprachkursangebot.

Pandemiebedingt wurden die persönlichen Treffen durch Online-Treffen ersetzt und die schriftlichen Übungen werden per Foto hin- und hergeschickt. Meine Hilfestellung wird auch dankbar angenommen, um den Hauptschulabschluss zu erreichen oder eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, z.B. Krankenpflegehelfer oder Maßschneider.

Weitere umfangreiche Assistenz wird von den Geflüchteten beim Kontakt mit den Behörden und den dazugehörigen umfangreichen Formalitäten nachgefragt. Hierbei sind momentan vermehrt Telefonate zu führen oder Formulare auszufüllen für die Ausländerbehörde, die Krankenkasse, den Arbeitgeber u.a.

Vertrauensvoll haben sich auch einige Geflüchtete in den vergangenen Monaten an mich gewendet, wenn ein Arztbesuch notwendig wurde. Dazu gehört dann meist die Organisation und Begleitung zu einem Facharzttermin, die Erklärung der Diagnose in einfacher Sprache mit Worten oder einer Skizze sowie die Beratung bei der richtigen Medikamenteneinnahme. Je nach Herkunftsland ist hier der Aufklärungsbedarf mal kleiner und mal wesentlich intensiver notwendig.

Der Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft in die erste eigene Mietwohnung ist ein besonderes positives Ereignis im Rahmen der Integration. Dabei sind wiederum diverse Formalitäten zu organisieren wie die Ummeldung bei der Gemeinde, die Adressenänderungen und beispielsweise die Einrichtung eines ersten Dauerauftrags beim Bankautomaten.

Bei all diesen Aktivitäten haben nicht nur die Geflüchteten etwas gelernt, sondern auch ich habe neue Erfahrungen im Umgang mit Menschen und anderen Kulturen erlebt und mein Wissen erweitert.

Beate Wilhelm und Ruth Breyer
Netzwerk Asyl Mühltal

Großer Wunsch des Netzwerk Asyl Mühltal e.V.: Zurück zur Normalität
(Mai 2021)

Die ehrenamtlich Aktiven im Netzwerk Asyl wünschen sich gemeinsam mit den Geflüchteten in der Gemeinschaftsunterkunft die Rückkehr oder den Beginn der Normalität. Aber aktuell müssen wir uns mit dem Lockdown abfinden und „das Beste“ daraus machen.

Ein ganz großer Einschnitt in die integrativen Maßnahmen war die Beendigung des Deutsch4you-Kurses, den die Volkshochschule im Tagungshotel angeboten hat. Manche Geflüchteten konnten in einen anderen Integrationskurs nach Darmstadt wechseln und schätzen dieses Angebot sehr. Die ehrenamtlichen unterstützenden Angebote in Form von Einzel- und Gruppenunterricht konnten in der bisherigen Präsensform nicht mehr stattfinden. Diese Angebote sind sehr wichtig, da der Unterrichtsstoff manchmal sehr schnell vermittelt wird, bzw auch die Unsicherheit besteht, es nicht richtig verstanden zu haben. Da konnten die ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen Sicherheit vermitteln, Schwachstellen erkennen und diese versuchen zu beheben. Aber sie hatten auch ein Ohr oder Gespür für andere Nöte und waren hier sehr willkommene Gesprächspartnerinnen. Diese Zuwendung lässt sich leider nicht in der gewohnten Intensität über das Telefon oder WhatsApp aufrechterhalten.

Eifrige Schülerinnen im Homeoffice-Unterricht      © Daler Barotov

Doch ist es immer wieder schön zu erfahren, dass es Menschen gibt, die zur rechten Zeit ihre Hilfe anbieten und neue Perspektiven eröffnen. So hatten wir das Glück, dass sich eine in dem Metier erfahrene Deutschlehrerin meldete, um einen Online-Unterricht anzubieten. Wir versorgten die interessierten Geflüchteten mit dem erforderlichen Material, wie Laptop, Tablet, Mikrofon und Kamera.
Hier sind weitere Spenden willkommen:    (info@asyl-muehltal.de).

Mit der Verschärfung der Maskenpflicht von den „Selbstgenähten“ hin zu FFP2-Masken, erkannten wir die Schwachstelle. Von den SGBII, bzw. Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz lassen sich die teuren Masken kaum finanzieren. Deshalb spendeten wir den Geflüchteten kurzfristig Masken, damit sie sich sicher in Bus und Bahn und im öffentlichen Raum bewegen können. Inzwischen gibt es die erforderlichen Masken auch preisgünstig im Einzelhandel, das war aber zu dem Zeitpunkt der verschärften Lockdown-Bestimmungen nicht absehbar. Wir sind sehr froh, dass es bis auf schnell erkannte Einzelfälle von an Corona erkrankten oder verdächtigen, keine umfangreichere Ausbreitung in der Gemeinschaftsunterkunft gegeben hat.

Es ist in Mühltal nicht zu übersehen, dass die Kommunalwahl vor der Tür steht. Aber was hat dieses Thema nun mit den Geflüchteten zu tun? Dieser Personenkreis kann mit vielen anderen Bürgern mit ausländischen „Wurzeln“ den Ausländerbeirat in ihrer Kommune wählen. Für uns ist diese Möglichkeit ein weiterer Schritt der Integration, eine Form der Umsetzung des demokratischen Handelns. Unter „normalen“ Zeiten hätten wir Vertreter des Ausländerbeirates in unser samstägliches Begegnungscafé eingeladen, damit diese sich und ihre Arbeit vorstellen können. Für manche Geflüchteten, z.B. Menschen aus Eritrea ist die Begrifflichkeit „Wählen zu gehen“ völlig fremd. Für Menschen aus totalitären Regimen ist dieser Vorgang sogar angstbesetzt, weil sie nicht wirklich daran glauben, dass die Wahl geheim ist. Eigentlich besteht zu diesem Thema ein großer Gesprächs- und Erklärungsbedarf, dem wir unter den gegebenen Umständen leider nicht gerecht werden können. Trotzdem versuchen wir mit Material des Ausländerbeirates entsprechende Auskünfte anzubieten.
(Ruth Breyer – Netzwerk Asyl Mühltal e.V.)

Unverhofft kommt oft …..

Letzten Samstag konnten wir den Kindern in der Gemeinschaftsunterkunft eine kleine Überraschung bereiten:
Firma Hnyk spendete uns die Hasen, die wir gleich an die kleinen Empfänger weitergegeben haben.

Freudige Überraschung in Pandemie-Zeiten

Corona-aktuell (Stand: 11.11.2020): Besuchsverbot

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat leider wieder ein Besuchsverbot für die erlassen.
Hier ein Auszug aus dem Schreiben des Landkreises:
Das Besuchsverbot gilt für alle privaten Besucherinnen und Besucher sowie die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Mit dem Besuchsverbot verringern wir die Kontaktmöglichkeiten und schützen damit vor einer Ansteckung.
Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Sprachkurse, Begegnungstreffen, Treffen von Asylkreisen u.a.
können bis auf weiteres nicht mehr in den Gemeinschaftsunterkünften stattfinden.

Dieses Verbot betrifft auch die Kurse der VHS.

Corona Pandemie – der Alltag

Für uns Ehrenamtliche des Netzwerk Asyl in Mühltal kamen die Einschränkungen bedingt durch die Corona-Pandemie sehr, sehr plötzlich. Zuerst wurde der professionelle Deutschkurs, der über die Volkshochschule im Tagungshotel stattfand, gestoppt und damit auch die damit verbundene Kinderbetreuung. Im nächsten Schritt wurde das jeden Samstag stattfindende Begegnungscafé, die damit verbundenen Gesprächskreise eingestellt und die Fahrradwerkstatt geschlossen. Dann kam der nächste und gravierende Einschnitt – der Landkreis untersagte den Ehrenamtlichen den Zutritt zu den Gemeinschaftsunterkünften in Trautheim sowie in Nieder-Beerbach. Das sind richtige und wichtige Schritte, denn keiner möchte, dass sich jemand infiziert. Wir Ehrenamtliche und auch die Geflüchteten mussten aber erst einmal mit der neuen Situation zurechtkommen, diese annehmen und andere Formen der Kontaktaufnahme verstärken. Das war ein richtiger Lernprozess und ich kann feststellen, dass die Geflüchteten die neue Situation gut meistern. Für viele bedeutet die neue Situation: Deutschkurse findet nicht statt, Ausbildungsmaßnahmen müssen zurückgestellt werden, Kurzarbeit wird eingeführt oder Arbeitsverträge werden, soweit dies rechtlich möglich ist, gekündigt. Die, die eine gute Tagesstrukturierung hatten, sind plötzlich den ganzen Tag in der Unterkunft und sollen nach Möglichkeit Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Maskenbeschaffung in Eigeninitiative

So wurde vor Ostern die Idee geboren, dass unsere beiden „Näherinnen“ im Hotel (siehe Bild unten) ihre Mitbewohner mit Masken versorgen könnten. Beide fanden die Idee ganz toll. Waltraud Wolbold und Marianne Hohlmann stellten schöne Stoffe, Schrägbänder, Gummis und das ganze notwendige Zubehör zusammen und ich konnte das Material über den Betreiber an die beiden Frauen weitergeben. Inzwischen haben alle Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Masken und können den Empfehlungen, diese zu tragen, problemlos nachkommen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für dieses Engagement.

Unsere freiwilligen Helferinnnen

Was den Betreiber und uns beschäftigt sind die erforderlichen Hygienemaßnahmen. Sicherlich ist es ausreichend sich nach Außenkontakten die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Doch bis die Geflüchteten dies in ihren Zimmern erledigen können, wurden Treppengeländer und Türgriffe angefasst. Deshalb wurde bereits im Eingangsbereich eine Händedesinfektion angebracht, was von den Geflüchteten sehr gut angenommen wird.

Gebührenerhöhung – eine Bürde für Integration

Was uns, das heißt auch die Arbeitskreise Asyl im Landkreis sehr beschäftigt, ist, dass die Gebühr für eine Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft ab 01.03.2020 von € 194 auf € 410 angehoben wurde. Das trifft insbesondere die Geflüchteten, die über ein eigenes Einkommen verfügen und keine Sozialleistungen erhalten. Der Betrag wird pro Person erhoben, d.h. wenn ein Zimmer von zwei Geflüchteten belegt ist, zahlt jeder diese € 410, unabhängig davon ob es sich um ein Kind, einen Schüler oder Erwachsenen handelt. Die Behörden stellen sicher, dass dadurch niemand unter die Armutsgrenze fällt, da ja dann diese Gebühr entsprechend angepasst wird. Aber wer seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet, muss diesen Betrag monatlich zahlen. Nun mögen manche Leser der Meinung sein, die sicherlich auch richtig ist, dass eine eigene kleine Wohnung genauso teuer oder teurer ist, aber dann haben die Menschen einen eigenen Mietvertrag, eine Küche zur alleinigen Nutzung, können Besuch empfangen und sich eine eigene Existenz aufbauen. In der Gemeinschaftsunterkunft besteht kein Recht auf das zugewiesene Zimmer, jederzeit kann ein weiterer Bewohner in das Zimmer eingewiesen werden, die Küche muss mit 10 weiteren Bewohnern geteilt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Geflüchtete in eine andere Unterkunft im Landkreis verlegt wird. Auch wenn das Tagungshotel in Mühltal im Vergleich zu anderen Unterkünften einen guten Standard aufweist, möchte manch einer der Bewohner eine eigene kleine Wohnung. Aber da der Wohnungsmarkt nichts vorhält, müssen die Menschen in den Unterkünften bleiben. Und bei dieser hohen Gebühr besteht auch nur eine geringe Möglichkeit Geld anzusparen, wenn es mal mit der Wohnung klappen sollte. Wer kommt dann für Kaution und den Hausrat auf? Nennt sich diese Maßnahme eine gelungene Integration?

Ruth Breyer

Netzwerk Asyl Mühltal e.V.